Kirchenoberhäupter kommen nach Pec: Inthronisierung des Serbischen Patriarchen

SOK AKTUELL

Nachrichtenagentur der Serbischen Orthodoxen Diözese

für Mitteleuropa

2. Oktober 2010

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Kirchenoberhäupter kommen nach Pec: Inthronisierung des Serbischen Patriarchen

Kirche des Patriarchatsklosters in Pec

(BELGRAD) Patriarch Irinej I. wird morgen am historischen Sitz der Oberhäupter der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK), im Patriarchatskloster von Pec im Westen Kosovo-Metohijas, inthronisiert werden. Zur Hl. Liturgie um 10 Uhr und der darauf folgenden Inthronisierung werden prominente Vertreter des kirchlichen Lebens erwartet. Zwei orthodoxe Kirchenoberhäupter werden an der Feier teilnehmen: Erzbischof Chrysostomos II. von Zypern und Metropolit Christophor von Tschechien und der Slowakei. Alle anderen orthodoxen Kirchen haben auch ranghohe Vertreter zur Feier in Pec entsandt. Es ist selten, dass Oberhäupter der orthodoxen Ortskirchen an den Inthronisierungen anderer Kirchenoberhäupter teilnehmen.

Der serbische Staat wird auch bei den Feierlichkeiten vertreten sein: Die Teilnahme des serbischen Staatspräsidenten Boris Tadic ist vom Serbischen Patriarchat angekündigt worden. Auch Minister der serbischen Regierung werden an der Feier teilnehmen. Ebenfalls ist die Teilnahme von Mitgliedern des ehemals regierenden serbischen und jugoslawischen Königshauses Karadjordjevic angekündigt worden. Aus Vatikan kommt der neue Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Erzbischof Kurt Koch, nach Pec.

Kosovo-albanische Funktionäre aus Pristina haben nach Angaben von Metropolit Amfilohije (Radovic) von Montenegro, Signale gezeigt, dass Sie zur Feier nach Pec kommen möchten, würden aber doch nicht kommen, da sie nicht eingeladen seien. Serbischen Medienberichten zu Folge sei von den kosovo-albanischen Vertretern nur der Bürgermeister von Pec, Ali Berisa, zur Feier eingeladen. Dieser möchte jedoch an der Feier nicht teilnehmen, wenn die Vertreter Pristinas nicht eingeladen seien.

Die Inthronisierungsfeier selbst wird aus der alexandrinischen und der russischen orthodoxen Tradition abgeleitet: Das sagte Metropolit Amfilohije von Montenegro der Belgrader Tageszeitung „Danas“. In dieser Form wird die Inthronisierung morgen in Pec zum ersten Mal stattfinden. Den Patriarchen werden zwei dienstälteste Metropoliten der SOK inthronisieren: Metropolit Jovan (Pavlovic) von Zagreb-Ljubljana und Metropolit Amfilohije von Montenegro.

Im April wurde ein neuer Thron für den Serbischen Patriarchen nach Pec gebracht: Er ist ein Geschenk des griechischen Klosters Ormilia.

Am kommenden Montag, dem 4. Oktober, um 17 Uhr gibt die SOK am Sitz des Serbischen Patriarchats in Belgrad einen Empfang für Vertreter des öffentlichen Lebens.

Patriarch Irinej I., zuvor Bischof von Nis in Südostserbien, wurde am 22. Januar auf dem Wahlkonzil der SOK von seinen Brüdern im bischöflichen Amt gewählt. Zunächst hatten die Bischöfe drei Kandidaten ausgewählt: Neben dem jetzigen Patriarchen wählten die Konzilsväter auch Metropolit Amfilohije (Radovic) von Montenegro und Bischof Irinej (Bulovic) von Backa. Dann wurde durch das so genannte „apostolische Los“ der Name des künftigen Patriarchen gezogen. Patriarch Irinej ist am 23. Januar in der Belgrader Kathedrale inthronisiert worden. Da aber das Patriarchatskloster von Pec seit 1253 der Sitz der serbischen Erzbischöfe und seit 1346 auch der Patriarchen war, findet die Inthronisierung auch dort statt.

Das vorige Oberhaupt der SOK, Patriarch Pavle I. (Stojcevic) war am 15. November 2009 in Belgrad gestorben.

Das heutige Oberhaupt der SOK wurde 1930 im Dorf Vidova bei Cacak in Westserbien geboren. Sein bürgerlicher Name lautete Miroslav Gavrilovic. Nach dem Abitur am Gymnasium in Cacak besuchte er das Priesterseminar in Prizren (Kosovo-Metohija). Im Anschluss daran studierte er an der Theologischen Fakultät in Belgrad. Im Jahre 1959 empfing er im Kloster Rakovica bei Belgrad die Mönchsweihe. Im selben Jahr wurde Mönch Irinej Lehrer am Priesterseminar in Prizren und Priester. Danach studierte er als Postgraduierter in Athen und wurde 1969 Direktor der Mönchsschule im Kloster Ostrog in Montenegro. Von dort wurde er zum Rektor des Priesterseminars in Prizren berufen. Im Jahre 1974 wurde Vater Irinej Vikarbischof von Moravica, um im darauf folgenden Jahr zum Diözesanbischof von Nis gewählt zu werden. Seit seiner Wahl zum Patriarchen im Januar 2010 ist er das 45. Oberhaupt der serbischen Orthodoxie seit dem Hl. Sava († 1236), dem Gründer der autonomen und später auch autokephalen (selbstständigen) SOK. Auf dem Patriarchenthron hat sich Patriarch Irinej in kürzester Zeit als ein Mann des Dialogs und der Verständigung von Konfessionen, Religionen und Völkern erwiesen. Sein vor zwei Wochen stattgefundener Besuch in Wien wurde allseits als ein großer Schritt im zwischenkirchlichen Dialog hervorgehoben.

Patriarch Irinej und Bischof Konstantin von Mitteleuropa im Altar der Kirche des Hl. Sava in Wien (10. September 2010)

Der Serbische Patriarch ist qua Amt Vorsitzender des Hl. Konzils, des höchsten Gremiums einer orthodoxen Landeskirche, dem alle Bischöfe angehören. Dieses Gremium ist für die Fragen des Glaubens und die Richtlinien des Kirchenlebens zuständig. Der Patriarch hat auch im Hl. Synod den Vorsitz, einem aus fünf Mitgliedern des Hl. Konzils bestehenden Gremium, das sich um die täglichen Belange der Kirche kümmert und dadurch eine Art Kirchenregierung bildet. Darüber hinaus ist der Patriarch auch der Metropolit von Belgrad-Karlowitz. Seine tatsächliche Bischofsgewalt erstreckt sich allerdings nur auf den Großraum Belgrad, während Karlowitz (Sremski Karlovci in der nordserbischen Vojvodina) heute der Diözese Srem gehört und nur aus historischen Gründen einen Teil des Patriarchentitels bildet: In Karlowitz saßen die Oberhäupter der serbischen Orthodoxie in den Gebieten der Habsburger. Schließlich ist der Patriarch auch Erzbischof von Pec. Das seit 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Kloster, in dem er morgen auch inthronisiert wird, untersteht immer noch dem Serbischen Patriarchen.

Patriarch Irinej betreut auch weiterhin seine alte Diözese Nis, bis ein neuer Diözesanbischof gewählt wird. Dem Serbischen Patriarchen steht in der Regel ein Vikarbischof zur Seite: Zurzeit ist dies Bischof Atanasije (Rakita) von Hvosno.

Das kanonische Territorium der SOK erstreckt sich heute hauptsächlich auf die Länder des ehemaligen Jugoslawiens, der Rest zählt zur „orthodoxen Diaspora“. Insgesamt hat die SOK heute 40 Diözesen, etwa 3.600 Gemeinden und 2.000 Priester. In mehr als 200 Klöstern der SOK leben etwa 230 Mönche und 1000 Nonnen. Zur SOK bekennen sich etwa 80 Prozent der 11 Millionen Serben in der ganzen Welt. Die Sitze der Patriarchen der SOK sind heute Belgrad und das Pariarchatskloster von Pec.

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Nachrichtenagentur der Serbischen Orthodoxen Diözese für Mitteleuropa

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