Nachrichtenagentur der Serbischen Orthodoxen Diözese für Mitteleuropa 1. Oktober 2010

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1. Oktober 2010

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„Patriarch Irinej ist eine charismatische Priesterpersönlichkeit“: Interview mit Wiener ÖVP-Klubobmann Matthias Tschirf

Weihe der Kathedrale in Teslic

„Patriarch Irinej ist eine charismatische Priesterpersönlichkeit“: Interview mit Wiener ÖVP-Klubobmann Matthias Tschirf

„Die Zukunft Westbalkans muss in Europa liegen“: Matthias Tschirf

(WIEN) Am kommenden Sonntag, dem 3. Oktober, wird das Oberhaupt der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK), Patriarch Irinej I., im Patriarchatskloster von Pec im Westen Kosovo-Metohijas, inthronisiert. Vor kurzem hat der Patriarch auch die Diözese Mitteleuropa besucht. Der Anlass war das 150ste Jubiläum der Wiener Kirchengemeinde der SOK. Dabei ist Patriarch Irinej zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Österreich begegnet. Matthias Tschirf, der Klubobmann der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) im Wiener Landtag und Gemeinderat, hatte den Patriarchen während seines Österreichbesuchs mehrere Male erlebt, unter anderem bei einem Frühstück mit Christoph Kardinal Schönborn, dem römisch-katholischen Erzbischof von Wien, beim Festakt der Stiftung PRO ORIENTE im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek und bei einem Empfang, zu dem die SOK eingeladen hatte. Wir sprachen mit dem prominenten österreichischen Christdemokraten im Wiener Rathaus über Patriarch Irinej, die Orthodoxie in Österreich und das Zusammenleben von Serben und Österreichern.

Herr Tschirf, Sie haben den Serbischen Patriarchen mehrere Male getroffen. Wie haben Sie ihn erlebt?

Ich habe einen großartigen Eindruck sowohl von ihm als Mensch, als auch von seinem Besuch, weil er sehr stark das ökumenische Moment betont hat. Es gibt hier eine eigene Tradition des Zusammenlebens, die bis in die Zeiten der Monarchie zurückreicht. Wir haben eine bis in das 17. Jh. reichende, gemeinsame Vergangenheit. Der Patriarch hat sehr schön aufgezeichnet, dass es wichtig ist, dass die Christen zusammen wirken. Persönlich ist er ein Priester, der sowohl die Würde des Amtes, aber gleichzeitig auch das, was einen Priester ausmacht, das Zugehen, das Zuhören, vermittelt.

Der Patriarch hat in Österreich auf der einen Seite über Dinge gesprochen, die man hier gerne hörte – etwa über den zwischenkirchlichen Dialog und die gute Aufnahme der Serben durch die Österreicher –, auf der anderen Seite zeigte er in Sachen Kosovo deutlich Flagge und vertrat die traditionelle serbische Position. Trotzdem wurde er in der österreichischen Öffentlichkeit akzeptiert.

Diesen Eindruck habe ich auch. Es geht nicht darum, dass ich alles gleich sehe wie ein anderer Mensch. Der Patriarch ist aber eine charismatische Priesterpersönlichkeit, die dazu einen Beitrag leistet, dass die Menschen in Europa, in diesem Land und in dieser Stadt gut miteinander leben können. Auch Österreich hatte in seiner Geschichte Epochen gehabt, in denen es Probleme gegeben hat. Für die Generation meiner Großväter war Südtirol das wirklich schwierigste politische Problem. Ich selbst führe einen rätoromanischen Namen: Mein Ururgroßvater stammte aus Südtirol. Daher weiß ich, wie schwierig das Problem Südtirol für die Menschen damals war. Aber heute, in einem gemeinsamen Europa schaut die Situation völlig anders aus. Daher glaube ich, dass die Zukunft Westbalkans in Europa liegen muss.

Um noch einmal auf  Österreich zurückzukommen: Wie ist Ihr Eindruck von der serbischen Gemeinschaft in Wien? Welche Rolle spielt sie in der Gesellschaft?

Es ist eine Gemeinschaft, die jedes Interesse daran hat, sich in diese Gesellschaft zu integrieren. Die Serben bemühen sich, gute Österreicher zu sein, ohne zu vergessen, woher sie kommen. Natürlich hat uns die Geschichte der Neunzigerjahre Einiges schwierig gemacht. Aus dieser Phase sind wir aber, denke ich, ein gutes Stück herausgekommen. Es sind inzwischen viele gute Dinge geschehen. Österreich spielt in Europa die Rolle eines Landes, das viel mehr Verständnis für die Serben hat als die anderen. Wir waren kürzlich einige Tage lang in Serbien: Wenn man zum Beispiel in Sremski Karlovci den früheren Sitz der orthodoxen Patriarchen sieht, weiß man, dass wir eine gemeinsame Geschichte haben.

Der promovierte Rechtswissenschaftler Matthias Tschirf (geb. 1957 in Wien) arbeitete als Jurist im österreichischen Bundeskanzleramt, unterrichtete Verfassungsrecht an der Universität Salzburg und ist Autor mehrere juristischer und politischer Publikationen. Er war Kabinettschef des österreichischen Vizekanzlers Josef Riegler und des Föderalismusministers Jürgen Weiss. Danach war er als Personalchef im Bundeswirtschaftsministerium tätig. Seit 1992 ist Matthias Tschirf Abgeordneter der ÖVP im Wiener Landtag und Gemeinderat. Im 1996 wurde er zum stellvertretenden Klubobmann der ÖVP gewählt. Seit 2002 ist er der Klubobmann dieser Partei. Außerdem ist er seit 1996 auch der Obmann des Österreichischen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbundes (ÖAAB) in Wien.

Das Interview mit Matthias Tschirf führte der verantwortliche Redakteur von SOK AKTUELL, Tihomir Popovic.

Weihe der Kathedrale in Teslic

Bischof Vasilije in der neuen Kirche in Teslic

(BIJELJINA) Bischof Vasilije (Kacavenda) von Zvornik-Tuzla hat am 25. September die neue Kathedrale der Allerheiligsten Dreifaltigkeit im nordbosnischen Teslic geweiht. Die Hl. Liturgie am darauf folgenden Sonntag zelebrierte der griechische Metropolit Iakovos von Mytilena (Mitilini) mit Diözesanbischof Vasilije und mehreren Bischöfen der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK)

Die Dreifaltigkeitskathedrale in Teslic

Die Stadt Teslic hat etwa 8.000 Einwohner, während die Verbandsgemeinde etwa 60.000 Einwohner zählt. Sie befindet sich im Westen der Republik Srpska, des serbischen Teiles von Bosnien-Herzegowina.

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