Für einen holistischen Blick: Seminar der Priesterschaft dem Tag der Schöpfung gewidmet

SOK AKTUELL

Informationsdienst der Serbischen Orthodoxen Diözese

für Mitteleuropa

15. September 2009

Für einen holistischen Blick: Seminar der Priesterschaft dem Tag der Schöpfung gewidmet

(REGENSBURG) Auf dem gestern stattgefundenen Seminar der Priesterbruderschaft der Serbischen Orthodoxen Diözese für Mitteleuropa wurde das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt – der Schöpfung Gottes – thematisiert. Der Anlass war der kirchliche Tag der Schöpfung, der nach dem in der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) verwendeten Kalender am 14. (1.) September gefeiert wird.

Nach der Hl. Liturgie hielt Pfarrer Radomir Kolundzic aus Dortmund die Predigt in deutscher Sprache. Kolundzic betonte, dass die Orthodoxen täglich die Schöpfung Gottes feiern, etwa am Beginn des liturgischen Tages beim Abendgebet, im Rahmen dessen der Schöpfungspsalm gesunden wird. Er erinnerte daran, dass noch der Ökumenische Patriarch Dimitrios I. im Jahre 1989 die Orthodoxen dazu aufgerufen habe, am 1. September für die Schöpfung Gottes zu beten. Die Grundlage für den gesamtorthodoxen Aufruf, für die Schöpfung Gottes zu beten, sei die „Erkenntnis der Harmonie und Schönheit des Schöpfungsplans“, betonte Vater Radomir Kolundzic. Gerade die exponierte Position des Menschen im Prozess der Schöpfung beinhalte den Auftrag, „Gottes Schöpfungsplan für den Menschen und die Natur zu verwirklichen“.

„Die Erde ist nicht unser Eigentum, sondern ein Geschenk Gottes“

Nach der Hl. Liturgie, auf dem Seminar, das in den Räumen des Ostkirchlichen Instituts Regensburg stattgefunden hat, hielt Professor Radovan Bigovic von der Theologischen Fakultät Belgrad das Hauptreferat. Er erinnerte an die europäische Geistesgeschichte und die allmähliche Trennung des wissenschaftlichen und theologischen Denkens. Während die Wissenschaft dazu neigte, den Schöpfer zu negieren und anzugreifen, ignorierte die Theologie gelegentlich die Schöpfung. Dagegen plädierte der renommierte orthodoxe Theologe für eine holistische Betrachtungsweise und gegen die überlieferten Dichotomien von Geist und Materie.

Die Orthodoxie biete eine Fülle von Beispielen für den Respekt der Schöpfung Gottes gegenüber, erinnerte Erzpriester Radovan Bigovic. Kein Sakrament werde in der Orthodoxen Kirche ohne Materie vollzogen. Ein anderes Beispiel seihen die Weihgebete.

Im Kontext des Tages der Schöpfung sagte Professor Bigovic, dass es keine ökologische Wiedergeburt geben könne, wenn nicht alle Menschen daran teilnähmen, ungeachtet ihrer Konfession, Religion oder Weltanschauung. Dabei trage gerade die Judäo-christliche Zivilisation eine besondere Verantwortung, denn auf sie geht ein Großteil der Umweltverschmutzung und –zerstörung zurück: Ihre Gier führe dazu, dass andere Menschen vor Hunger sterben. Die Erde sei aber nicht unser Eigentum, sondern ein Geschenk Gottes, sagte Professor Bigovic auf dem Seminar der serbischen orthodoxen Priester in Regensburg.

Schließlich betonte der Belgrader Theologe auch, dass die Serbische Orthodoxe Diözese für Mitteleuropa als erste in der serbischen Orthodoxie den Tag der Schöpfung durch ein theologisches Seminar ehrte.

Nach Professor Bigovic hielt der Oberkirchenrat Dr. Johann Schneider von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD, Hannover) das Korreferat des Seminars. Er betonte, dass die Orthodoxen einen großen Beitrag für den Schutz der Schöpfung Gottes leisten können und rief dazu auf, dass sich die serbischen orthodoxen Gemeinden in die Feiern des Tages der Schöpfung integrieren.

Auf katholischer Seite war ein Korreferat von Prälat Dr. Nikolaus Wyrwoll vom Ostkirchlichen Instituts Regensburg vorgesehen. Da dieser wegen anderweitiger Verpflichtungen verreisen musste, wurde sein Text den Seminarteilnehmern zur Verfügung gestellt.

Seminar in Regensburg: (von links nach rechts) Prälat Dr. Albert Rauch, Direktor des Ostkirchlichen Instituts, Erzpriester Krstan Knezevic (Wien), Erzpriester Milan Pejic (Hannover), Bischof Konstantin von Mitteleuropa (Himmelsthür), Erzpriester Prof. Dr. Radovan Bigovic (Belgrad), Dr. Johannes Schneider (Hannover), Priester Radomir Kolundzic (Dortmund).

Empfang im Fürstensaal

Nach dem Seminar wurden Bischof Konstantin und die Priesterschaft vom Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) im Fürstensaal des Rathauses empfangen. Der Oberbürgermeister hob die Wichtigkeit der serbischen Gemeinde für das Zusammenleben in der Stadt und bot seine Unterstützung bei den Vorhaben der SOK. Dafür dankte ihm Bischof Konstantin, der auch daran erinnerte, dass die Serbische Orthodoxe Kirchengemeinde Regensburg bereits seit 30 Jahren bestehe sowie dass die orthodoxen Serben auch als Studenten am Ostkirchlichen Institut vertreten seien. Schließlich wies der Bischof auch auf die symbolische Tatsache hin, dass Regensburg und Serbien durch den Fluss Donau verbunden sind, einen Fluss, der gerade bis Regensburg schiffbar sei.

Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger mit einem Exemplar des Buches Der Prolog von Ochrid des Hl. Nikolaj (Velimirovic), einem Geschenk der Priester der SOK. Im Hintergrund Priesterschaft der Diözese Mitteleuropa.

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