„Respekt jedem Opfer gegenüber“: Kroatische katholische Bischöfe besuchen KZ Jasenovac

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Informationsdienst der Kommission Kirche und Gesellschaft der Serbischen Orthodoxen Diözese für Mitteleuropa

6. April 2009

„Respekt jedem Opfer gegenüber“: Kroatische katholische Bischöfe besuchen KZ Jasenovac

(ZAGREB/BELGRAD) Der Vorsitzende der Kroatischen Bischofskonferenz der Römisch-katholischen Kirche, Marin Srakic, Erzbischof und Metropolit von Djakovo-Osijek, hat mit drei Bischöfen seiner Kirche am vergangenen Freitag, dem 3. April, das Gedenkzentrum des berüchtigten kroatischen Konzentrationslagers Jasenovac aus dem Zweiten Weltkrieg besucht. Das war das erste Mal, dass ein Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz Kroatiens das berühmte Gedenkzentrum besucht hat. In Begleitung des Erzbischofs waren Antun Skvorcevic, Bischof von (Slavonska) Pozega, Djuro Gasparovic, Bischof von Srem sowie Weihbischof Djuro Hranic von der Erzdiözese Djakovo-Osijek.

Bischof Skvorcevic, der als Gastgeber des Treffens fungierte, sagte bei der Begrüßung, man wolle durch Reue und Vergebung seinen Respekt „jedem Opfer gegenüber“ zum Ausdruck bringen. Es sei unverständlich, wie es möglich gewesen sei, schwere Verbrechen gegen andere Menschen zu verüben, nur weil sie eine andere Weltanschauung vertraten, einer anderen Nation angehörten oder einen anderen Glauben hatten. Durch diese Aussage vereinheitlichte der kroatische Bischof die Opfer des Konzentrationslagers, offensichtlich ohne offen aussprechen zu wollen, dass es eigentlich um Holocaust ging: Getötete Juden, Serben und Roma, die als solche ermordet wurden, sind in der Aussage des Bischofs mit Regimegegnern gleichgestellt. Dennoch kritisierte der Bischof, dass auch heute noch Verbrechen an unschuldigen Menschen verdeckt werden, sowie dass man die Zahl der Opfer geringschätze und manipuliere, so dass man nicht wolle, dass die volle Wahrheit gefunden und den Opfern ihre Würde zurückgegeben werde.

Erzbischof Srakic sagte, er wolle die in Auschwitz ausgesprochenen Worte Papst Benedikts XVI. wiederholen; er betonte, dass es fast unmöglich sei, an „diesem Ort des Schreckens“ und der Verbrechen gegen Gott und die Menschen zu sprechen; insbesondere sei das schwer für einen Bischof, der dem Volk angehöre, aus dessen Reihen die Täter gekommen seien, sagte der Vorsitzende der Kroatischen Bischofskonferenz der Römisch-katholischen Kirche, Erzbischof Marin Srakic. Jasenovac sei ein Ort gewesen, an welchem „der Wahn, mehr noch, der bestialische Wahn“ geherrscht habe, betonte der Erzbischof. Er rief zur Vergebung und zum Gebet für die Opfer und die Täter auf. Die Pilgerfahrt der katholischen Bischöfe solle dazu beitragen, zur „Wahreit in Freiheit“ zu kommen. Erzbischof Srakic bestätigte, dass er der erste Vorsitzende der Kroatischen Bischofskonferenz der Römisch-katholischen Kirche gewesen sei, der je in dieser Eigenschaft das Lager Jasenovac besucht habe.

In der kroatischen Öffentlichkeit hat es unterschiedliche Reaktionen gegeben. Die Direktorin des Gedenkzentrums in Jasenovac, Natasa Jovicic, äußerte ihren Wunsch, dass auch der Erzbischof von Zagreb und Primas von Kroatien, Josip Kardinal Bozanic, nach Jasenovac komme. In einem von der Nachrichtenagentur VIA zusammengefassten Überblick über die Reaktionen von kroatischen Internet-Lesern werden aber auch viele Holocaust leugnende Kommentare angeführt. Niemand außer „politischen Gegnern in NDH“ (kroatischer Faschistenstaat im Zweiten Weltkrieg) sei nach Jasenovac verschleppt worden. Auch würden dort „Juden nicht getötet“; die Gewalt im Lager sei „in ihren Händen“ gewesen. In dem KZ seien höchstens 2.500-3.000 Personen an Altersschwäche, Krankeiten, oder bei Fluchversuchen gestorben, hieß es in den Kommentaren kroatischer Internet-Leser. Allerdings habe es auch Erschießungen gegeben: „meistens der Roma“.

Die wirkliche Anzahl der Opfer von Jasenovac gilt als strittig. Der sozialistische jugoslawische Historiker Vladimir Dedijer ging von 700.000-1.200.000 Opfer aus. Der erste kroatische Präsident Franjo Tudjman, einst General in Titos Armee, gab an, dass es 60-70.000 Opfer gegeben habe.

Der Umgang der Kroaten mit ihrem historischen Erbe ist von Kontroversen geprägt. Laut Angaben der Nachrichtenagentur VIA wird zurzeit in Kroatien die Veröffentlichung eines Buches über den rechtsradikalen, den faschistischen Ustascha-Regime verherrlichenden kroatischen Sänger Marko Perkovic Tompson von Mate Kovacevic vorbereitet. In diesem Zusammenhang wird die positive Meinung des römisch-katholischen Bischofs von Sibenik, Ante Ivas, angegeben und der römisch-katholische Bischof von Gospic-Senj Mile Bogovic zitiert: der rechtsextremistische Sänger „äußere dassjenige, was die kroatischen Patrioten gerne singen und hören, wenn sie feiern“.

Kroatien gilt als der aktuellste EU-Beitrittskandidat.

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Eine Antwort

  1. Ich bin Kroate und denke, dass es wichtig ist, Schuld einzugestehen. Jasenovac ist ein großer Schandfleck in Kroatiens Geschichte. Man muss aber auch sehen, dass die meisten Kroaten keine Faschisten waren, sondern in der „Heimwehr“ gedient haben. Auch gab es große Schuld auf der anderen Seite.

    Ich finde, wir sollten nach so viel Feindschaft endlich Freunde werden. Wir sollten alle um Verzeihung bitten und uns gegenseitig verzeihen. Das ist schwer, aber die einzige Hoffnung.

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