SOK AKTUELL – 7. Februar 2009 – Informationsdienst der Kommission Kirche und Gesellschaft der Serbischen Orthodoxen Diözese für Mitteleuropa

SOK AKTUELL

Informationsdienst der Kommission Kirche und Gesellschaft der Serbischen Orthodoxen Diözese für Mitteleuropa

7. Februar 2009

Moskauer Patriarchat bleibt bei seinem Kosovo-Kurs. Delegation der SOK bei Patriarch Kyrill

Das Leben der Serben in Dalmatien. Bischof Fotije zur Situation in der kroatischen Küstenregion

Moskauer Patriarchat bleibt bei seinem Kosovo-Kurs. Delegation der SOK bei Patriarch Kyrill

(MOSKAU) Der neue Patriarch von Moskau und ganz Russland, Kyrill, hat am vergangenen Dienstag, dem 3. Februar, eine hochrangige Delegation der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) empfangen. Angeführt wurde die Delegation von Metropolit Amfilohije von Montenegro, der derzeit den Serbischen Patriarchen Pavle I. vertritt. Neben Metropolit Amfilohije waren unter anderem Erzbischof Jovan von der autonomen Erzdiözese Ohrid (Makedonien), Bischof Vasilije von Zvornik-Tuzla (Ostbosnien) und Vikarbischof Antonije von Moravica, der Vertreter der SOK beim Moskauer Patriarchat in der Delegation. Die Delegation der SOK war nach Moskau gekommen, um der Intronisierung des neuen russischen Patriarchen beizuwohnen. In seiner Ansprache dankte Patriarch Kyrill den Vertretern der SOK dafür, dass sie gekommen seien, um an einem für den Patriarchen so wichtigen Tag mit ihm zusammen zu beten. „Der Segen und die Gebete der brüderlichen Serbischen Orthodoxen Kirche, mit welcher uns das gemeinsame Schicksal verbindet, haben große Bedeutung“, sagte das neue Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche wörtlich. Er bedauerte auch, dass Patriarch Pavle wegen seines Gesundheitszustandes nicht nach Moskau habe kommen können, zeigte sich aber erfreut, dass Metropolit Amfilohije und die anderen Vertreter der SOK dabei gewesen seien. Die Teilnahme der SOK an den Feierlichkeiten zu seiner Inthronierung zeuge von den guten Beziehungen der Serben mit der Russischen Orthodoxen Kirche und dem russischen Volk. „Das Ende des XX. Jahrhunderts war schwer für Ihr Land; es war auch schwer für Russland“, sagte der neue Patriarch von Moskau, der in diesem Zusammenhang an die Spaltungen in der Ukraine und in Estland erinnerte.

Hinsichtlich der Situation in Serbien betonte das neue Oberhaupt der Russischen Orthodoxie, dass der Standpunkt seiner Kirche zum Kosovo-Problem unverändert sei: „Mein Vorgänger, Seine Heiligkeit der selige Patriarch Alexei II., hat mehrmals seine Stimme im Namen der Russischen Orthodoxen Kirche zum Schutz der territorialen Integrität Serbiens erhoben, was im Einvernehmen mit den internationalen Rechtsprinzipien ist […].“ Das sei im Einklang mit der gesamten Geschichte Serbiens, das viel gelitten habe und für welches das Kosovo das historische und geistige Zentrum gewesen und immer noch sei. Patriarch Kyrill von Moskau und Ganz Russland sagte in seiner Ansprache an die Vertreter der SOK auch: „Wir sind heute solidarisch mit unseren serbischen Brüdern und wir beten zu Gott, dass Er die in den Konflikt involvierten Menschen befriede; wir beten dafür, dass die Einheit der Serbischen Orthodoxen Kirche bewahrt bleibe, insbesondere dort, wo diese Einheit gefährdet ist, oder wo man versucht, sie zu gefährden.“ Insbesondere gab Patriarch Kyrill dem Metropoliten Amfolohije von Montenegro Unterstützung hinsichtlich seines Standpunktes zur Einheit der SOK in Montenegro. Er sagte, die Botschaft des Metropoliten sei sehr konkret und bestimmt: Die politischen Leidenschaften können nicht und dürfen nicht in das Kirchenleben involviert werden.

Patriarch Kyrill bat seine Gäste von der SOK, seinen brüderlichen Kuss und den Ausdruck seiner Liebe dem Serbischen Patriarchen Pavle zu überreichen, dem er Kraft wünschte. „Wir beten für ihn“, sagte der neue russische Patriarch Kyrill. Er fügte hinzu: „Auch möge Gott es gewähren, dass die Serbische Kirche in der jetzigen, komplexen Etappe ihrer historischen Existenz die Einheit des Episkopats, die gegenseitige Unterstützung und die Liebe bewahre, dass sie ihrem Volk wahrhaftige geistige Säule und Trost sei“.

Der Empfang für die Delegation der SOK fand nur weniger Tage nach der Wahl des neuen Patriarchen: Patriarch Kyrill wurde am 27. Januar zum neuen Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche gewählt.

Das Leben der Serben in Dalmatien. Bischof Fotije zur Situation in der kroatischen Küstenregion

Der serbische orthodoxe Bischof Fotije von Dalmatien hat auf die Probleme der Serben in diesem Teil Kroatiens hingewiesen. In einem Interview sagte er, dass in Dalmatien, an der kroatischen Adriaküste, heute zwischen 20.000 und 25.000 Serben leben. Vor 1995 wohnten aber mehr als 100.000 Serben in der Region. Der Bischof informierte die Nachrichtenagentur „Srna“, dass nach Dalmatien vorwiegend ältere Menschen zurückgekehrt seien. Neben den ökonomischen Gründen gebe es für diesen Zustand auch politische Gründe, so der Bischof. Unter anderem erinnerte er auch an die häufigen Angriffe auf die kirchlichen Objekte in seiner Diözese, von welchen der Sitz der Diözese in Sibenik auch nicht verschont war. Bischof Fotije sagte, dass man die Menschen, die die Angriffe verübt hätten, nicht hasse. Das lehre der orthodoxe Glaube und die Ethik. Es sei eine andere Frage, was in solchen Fällen der Staat und seine zuständigen Institutionen tun sollten. Bischof Fotije fügte hinzu, dass es neben Angriffen auf kirchliche Objekte auch Attacken auf serbische Rückkehrer in Dalmatien gegeben habe. Aus diesem Grund habe die Diözese einige Male dem kroatischen Staatspräsidenten und dem Premierminister schreiben müssen, um die serbischen Rückkehrer auf dem Territorium der Diözese zu schützen. Die Untaten sollen sowohl vom Staat als auch von den Medien verurteilt werden. Das würde eine Atmosphäre der Freiheit und des Schutzes für alle Menschen und Völker schaffen, ungeachtet ihrer Unterschiede im Glauben und in der Kultur.

Die Angriffe auf serbische Rückkehrer zeigen, dass es noch keine völlige Freiheit und Demokratie in der Region gebe, was sich auf die eventuelle Rückkehr der übrigen serbischen Flüchtlinge negativ auswirke, so Bischof Fotije. Er sagte, die Kirche müsse unter solchen Umständen die „historischen Leidensläufe“ überwinden; sie solle die Realität nicht leugnen, dennoch aber die Hoffnung in die Überwindung des Leidens durch den Glauben an die Wiederauferstehung von den Toten und den Sieg der Göttlichen Gerechtigkeit geben.

Bischof Fotije von Dalmatien erwähnte auch die Fälle von orthodoxen Kindern, die in der Römisch-katholischen Kirche wiederholt getauft wurden. Solche Fälle gebe es meistens in Mischehen. Eine Lösung dieses Problems wäre die volle Freiheit der Religionsausübung und das Bewusstsein für diese Freiheit, die auch im „praktischen Leben“ sichtbar sein sollte. Solange dieses nicht gegeben ist, werden Menschen andere Lösungen bevorzugen. Der serbische orthodoxe Bischof von Dalmatien sagte, dass die Situation im dalmatinischen Hinterland viel besser sei. Er führte das Beispiel von Bukovica und die Knin-Region an, wo es mehr als 300 orthodoxe Kinder gebe, die den konfessionellen Religionsunterricht besuchen.

In Bezug auf die Kirchen sagte Bischof Fotije, dass die Diözese bisher eine Vielzahl von Pfarrkirchen wiederaufbauen konnte. Er fügte hinzu, dass alle orthodoxen Kloster Dalmatiens erneuert und wiederaufgebaut seien. In allen wohnen wieder Mönche. Den Wiederaufbau habe zumeist die Diözese Dalmatien selbst finanziert. In letzter Zeit habe es auch Serben aus Dalmatien gegeben, die in den Prozess des Wiederaufbaus integriert würden. Das sei in Benkovac, Kasic und Imotski der Fall. Der Bischof dankte Gott, das es so sei, weil man dadurch sehe, dass die Serben aus der Region ihre Heiligen Stätten nicht vergessen haben, dass sie sie lieben und sie daher wiederaufbauen wollen. Bischof Fotije betonte auch die Hilfe für den kirchlichen Wiederaufbau durch das serbische Religionsministerium: Ohne diese Hilfe hätte man sehr wichtige Sachen nicht tun können, so Bischof Fotije. Er äußerte seine Hoffnung, dass die Hilfe auch in Zukunft kommen werde. Einige Objekte der Diözese unterstütze auch das kroatische Kulturministerium: Es handelt sich um Objekte, die in Kroatien als Kulturdenkmäler geführt werden, etwa die Hl.-Elias-Kirche in Zadar, das Kloster Krupa und die orthodoxe Kathedrale in Sibenik. Diese Hilfe sei gering; dennoch existiere sie und das sei gut, so der serbische orthodoxe Bischof von Dalmatien.


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