SOK AKTUELL – 3. Dezember 2008

SOK AKTUELL

Informationsdienst der Kommission Kirche und Gesellschaft der Serbischen Orthodoxen Diözese für Mitteleuropa

3. Dezember 2008

KEK-Delegation besucht Montenegro

(CETINJE / BRÜSSEL) Eine hochrangige Delegation der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) hat vom 27. bis zum 29. November auf Einladung von Metropolit Amfilohije von Montenegro und Bischof Joanikije von Budimlje-Niksic die ehemalige jugoslawische Republik Montenegro besucht. Der unmittelbare Anlass des Besuches war der kürzlich stattgefundene Vorfall im Ort Bajice bei Cetinje, wo die Vertreter der kanonischen orthodoxen Kirche am 31. Oktober an der Zelebration der Hl. Liturgie gehindert worden waren. Laut einer aktuellen KEK-Mitteilung hatte es auch falsche Anschuldigungen gegen die Serbische Orthodoxe Kirche (SOK) in den montenegrinischen Medien gegeben.

Mitglieder der KEK-Delegation waren Pfarrer Rüdiger Noll, der Direktor der Kommission Kirche und Gesellschaft der Konferenz Europäischer Kirchen sowie Elizabeta Kitanovic, Referentin für Menschenrechte und Kommunikation der Kommission Kirche und Gesellschaft. Der Besuch sollte zur Tatsachenfeststellung und zum Dialog zwischen allen Beteiligten dienen, um zur Lösung des montenegrinischen Problems beizutragen und die Toleranz und gegenseitigen Respekt zu fördern.

Ansprechpartner der KEK auf Seiten Montenegros waren Repräsentanten der Regierung des Landes, unter anderem der Minister für Menschrechte und Rechte der Minderheiten, Fuad Nimani, der Innenminister Jusuf Kalamperovic und der Justizminister Miras Radovic. An den Gesprächen mit den Regierungsvertretern nahmen auch Metropolit Amfilohije von Montenegro und Bischof Joanikije von Budimlje-Niksic von der SOK teil.

Eine der Themen, die die kirchliche Delegation im Dialog mit den Regierungsvertretern angesprochen hatte, war die Notwendigkeit von neuen, stabilen gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Rechte der Glaubensgemeinschaften, die mit den europäischen und internationalen Standards übereinstimmen würde. Die Delegation der KEK und der SOK äußerste sich besorgt in Bezug auf die Restitution des unter dem kommunistischen Regime enteigneten kirchlichen Eigentums in Montenegro. Ein Gesetz über die Restitution des Eigentums von Glaubensgemeinschaften sei überfällig, heißt es in der KEK-Mitteilung: Während die Restitutionsmaßnahmen in Montenegro bisher beinahe alle Bereiche der Gesellschaft umfasst haben, erstrecken sie sich nicht auf die Glaubensgemeinschaften, wird in der KEK-Mitteliung betont.

In Bezug auf die Vorfälle in Bajice und anderen montenegrinischen Ortschaften betonte der Direktor der Kommission Kirche und Gesellschaft der KEK, Pfarrer Rüdiger Noll, die Notwendigkeit, die örtlichen Gemeinden der Metropolie von Montenegro durch ein effektives gesetzliches System und auch durch die Exekutivgewalt des Staats, etwa die Polizei, zu schützen. „Es gibt keinen Zweifel darüber, dass die Metropolie von Montenegro und den Seeländern [so lautet der vollständige Titel dieser Metropolie der SOK] der legitime Eigentümer der Kirchen und Klöster, die kürzlich von Demonstranten blockiert wurden, ist. Die Pfarreien und Gemeinden der Metropolie haben die Liturgie in diesen Kirchen seit Jahrzehnten ohne jegliche Behelligung zelebriert“, sagte Rüdiger Noll wörtlich. „Wir erwarten von den jeweiligen Behörden, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um den Gemeinden das Zelebrieren der Liturgie zu ermöglichen und ihre Gemeinschaft nach Standards der Religionsfreiheit zu ermöglichen“, fügte der hochrangige Vertreter der Konferenz Europäischer Kirchen hinzu.

Laut KEK-Mitteilung haben die Vertreter der montenegrinischen Regierung den Besuch der kirchlichen Delegation begrüßt und sich zum Dialog der Kirchen, Glaubensgemeinschaften und der Regierung bekannt, um gerechte Lösungen für Probleme in diesem Bereich zu erreichen, wobei manche von diesen Problemen nach sofortigen Aktionen verlangten.

Es wurde einvernehmlich beschlossen, dass ein offener Dialog über diese Probleme zwischen Vertretern von Kirchen, Glaubensgemeinschaften und dem Staat sehr wichtig sei, um die Toleranz zu Pflegen und Schwierigkeiten zu überwinden.

Als Teil des Versuchs der montenegrinischen Regierung, Montenegro an europäische Standards heranzuführen, wurde die Notwendigkeit erkannt, die Rechte der Glaubensgemeinschaften zu garantieren und das Staat-Kirche-Verhältnis so zu definieren, dass es sich von dem aktuellen, aber veralteten Gesetz aus dem Jahr 1977 substantiell unterscheidet. In diesem Sinne haben die Regierungsvertreter ihre Bereitschaft gezeigt, konstruktive Vorschläge von Glaubensgemeinschaften in Montenegro, der Konferenz Europäischer Kirchen sowie von europäischen politischen Organisationen zu akzeptieren.

In Montenegro ist in den letzten Jahren die so genannte „Montenegrinische Orthodoxe Kirche“ aktiv, die von Laien als Verein gegründet worden war. Angeführt wird sie von Miras Dedejic, einem ehemaligen Priester des Ökumenischen Patriarchates, der über keinelei kanonische Legitimation verfügt, Vosteher einer orthodoxe Kirche zu sein. Diese Organisation wurde im Laufe der Unabhängigkeitsbestrebungen Montenegros von einigen Kräften der Politik und der Gesellschaft stark gefördert. Die letzten Vorfälle in Bajice und anderen Orten Montenegros zeigen, dass diese Unterstützung zumindest in einigen Strukturen des Landes immer noch gegeben ist.

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