BERLIN/MOSKAU/WASHINGTON

Newsletter vom 27.08.2008 – Am Abgrund

BERLIN/MOSKAU/WASHINGTON (Eigener Bericht) – Die deutsche Kanzlerin
kündigt eine Neuausrichtung der Beziehungen zwischen der EU und
Russland an. Es sei “nicht akzeptabel”, dass Moskau die Sezession der
georgischen Teilrepubliken Südossetien und Abchasien anerkenne,
erklärt Angela Merkel; gleichlautend äußert sich Außenminister
Frank-Walter Steinmeier. Damit rückt das westliche Bündnis näher
zusammen und nimmt im Kaukasuskonflikt eine einheitlichere
Frontstellung ein. Berlin hatte in den letzten Wochen nach Kräften
versucht, die Eskalation zu vermeiden, um aus einer Äquidistanz
zwischen Moskau und Washington maximalen Vorteil zu ziehen. Dieser
Versuch droht nun zusammenzubrechen, da die russische Antwort im
Kaukasus strategische Absichten des Westens gefährdet. Sie zielen auf
eine fortschreitende militärische Einkreisung des Gegners, dessen
wirtschaftliche Potenz jedoch nicht erdrosselt werden soll.
Insbesondere russische Rohstofflieferungen und Aufträge für die
Maschinenindustrie sowie das High-Tech-Gewerbe werden in der
Bundesrepublik benötigt. In diesem Segment beklagen einflussreiche
Teile der deutschen Wirtschaft die zunehmende Konfrontation. Ihr
boomendes Russlandgeschäft steht jetzt ebenso in Frage wie die
ehrgeizigen deutsch-russischen Energieprojekte. Das drohende Aus der
Berliner Schaukelpolitik, die militärisch im Westen und ökonomisch
stark ostwärts ausgerichtet ist, lässt die deutsche Stellung bei sich
zuspitzenden NATO-Konfrontationen mit dem Rest der Welt deutlich
erkennen.

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http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57319

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