Jürgen Elsässer referiert – Termine siehe unten – bitte weiterleiten
Vom Kosovo zum Kaukasus: Die USA flüchten vor ihrem wirtschaftlichen
Kollaps in immer neue militärische Abenteuer
Mit dem Überfall Georgiens auf Südossetien pünktlich zum Beginn der
Olympischen Spiele ist die Ost-West-Kongfrontation, die mit der
Abspaltung des Kosovo von Serbien im Februar eskaliert ist, auf einen
neuen Schauplatz übergesprungen. Mit Hilfe 3000 US-kommandierter
Söldner und neuestem Kriegsmaterial aus Nato-Beständen wollte der
georgische Autokrat Saakaschwili die Militärgrenze des
Nordatlantikpakts direkt an Rußland heranschieben. Die entschlossene
Gegenreaktion Moskaus hat das kaukasische Feuer vorerst ausgetreten.
Doch im Schatten der galoppierenden US-Wirtschaftskrise – angeblich
stehen 150 US-Banken vor dem Bankrott – übertreffen sich die
Präsidentschaftsbewerber McCain und Obama in starken Sprüchen gegen
Rußland.
Zu den ungeheuren Lügen über den Kaukasus wie über den Balkan, die
seither in den Medien verbreitet werden, habe ich am vergangenen
Montag einen Kommentar im Neuen Deutschland geschrieben, der am Ende
dieser Mail abgedruckt ist.
Den Zusammenhang der Kriegsschauplätze behandeln auch meine aktuellen
Bücher, die ab 11. September 2008 im Buchhandel erhältlich sind:
„Terrorziel Europa. Das gefährliche Doppelspiel der Geheimdienste”
(344 Seiten, 21.90 Euro; genaue Inhaltsangabe unten) sowie die
Neuausgabe von „Wie der Dschihad nach Europa kam. Gotteskrieger und
Geheimdienste auf dem Balkan” (250 Seiten, 14.80 Euro). Darin wird
detailliert das Zusammenspiel von CIA und Al Qaida gegen die Serben in
Bosnien und im Kosovo beschrieben.
Beide Bücher sind im Buchhandel, aber auch direkt beim Autor
erhältlich, auf Wunsch signiert. Bitte bestellen Sie über
info@juergen-elsaesser.de
++++++++
Termine von Jürgen Elsässer:
28. August, Detmold:Veranstaltung zur Kriegsgefahr zwischen Kaukasus,
Hindukusch und Balkan, Schlosswache, Lange Straße 58, 19 Uhr
4. September, 19 Uhr: 9/11 und die Folgen – Podiumsdiskussion mit
Jürgen Elsässer, Andreas von Bülow, Mathias Bröckers u.a.,
Berlin-Mitte, Russisches
Haus, Friedrichstraße 176 – 179 (am nächsten Tag, selbe Zeit, selber
Ort: Filmpremiere „Zero” über die Widersprüche des 11. September 2001)
6. September, Berlin: Jürgen Elsässer signiert sein neues Buch
„Terrorziel Europa” bzw. das neu aufgelegte „Wie der Dschihad nach
Europa kam” auf dem Solidaritätsbasar der Berliner Presse,
Alexanderplatz, Stand des „Neuen Deutschland”, 15 – 16 Uhr
15. September, Wien: Buchpremiere von „Terrorziel Europa”,
Österreichisches Institut für Internationale Politik, Operngasse 20 B,
19 Uhr
17.September, Berlin. Buchpremiere „Terrorziel Europa”, Pressehaus
“Neues Deutschland”, Franz-Mehring-Platz 1
26. September, Eisenach, Buchlesung „Terrorziel Europa”, über
Buchhandlung LeseLust (Ort wird noch bekanntgegeben) , 19.30 Uhr
+++++++++++++++++ Das neue Buch +++++++++++++++++++
Jürgen Elsässer
Terrorziel Europa
Das gefährliche Doppelspiel der Geheimdienste
325 Seiten, 21.90 Euro
Residenz Verlag, St.Pölten/Wien
ISBN: 9783701731008
Erstverkaufstag Deutschland: 11. September 2008
Europa im Fadenkreuz: Seit dem verheerenden Bombenterror in Madrid
(März 2004) und London (Juli 2005) vergeht kaum ein Monat, in dem die
Sicherheitsbehörden mindestens eines Landes nicht Großalarm auslösen.
Die Olympischen Spiele in Griechenland und die Fußball-WM in
Deutschland wurden mit einem Bürgerkriegsaufgebot an Polizei und Armee
geschützt. Ein islamistischer Anschlag mit einer schmutzigen Atombombe
sei nur noch eine Frage der Zeit, behaupten führende Politiker.
Doch eine genauere Analyse zeigt: Bei allen Anschlägen und
Anschlagsversuchen auf unserem Kontinent spielten Agenten westliche
Doppelagenten eine wichtige Rolle. Der islamische Fundamentalismus ist
zwar eine Realität. Doch sein terroristisches Potential ist eine
Leihgabe vor allem der US-amerikanischen und britischen Geheimdienste,
die Europa auf diese Weise immer tiefer in ihren weltweiten Krieg
verstricken wollen. Mit der Bedrohung durch Al Qaida werden außerdem
immer weitgehendere Eingriffe in unsere Freiheitsrechte
gerechtfertigt. Ein totaler Überwachungsstaat wie in George Orwells
Buch 1984 ist keine böse Utopie mehr, sondern Regierungsprogramm,
zumindest in Großbritannien und Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
Die wichtigsten Akteure
Einleitung
1 Osama bin Laden und der Secret Service
Al Qaida ist von westlichen Geheimdienstleuten durchsetzt – bis an die Spitze
2 Londonistan
Militante Prediger schufen mit Geheimdienst-Lizenz die wichtigste
Schaltzentrale des europäischen Dschihad
3 Das süddeutsche Netz
In einem Balkandörfchen trafen Mitte der neunziger Jahre die
wichtigsten Männer zusammen, die später in Mitteleuropa zum Dschihad
antreten sollten
4 Eine maghrebinische Affäre
Paris: Eine Terrorwelle mit Geheimdiensthintergrund erschütterte
1995/1996 die Hauptstadt und den Norden Frankreichs
5 Alte Bekannte
Strasbourg: Bei der Planung eines Anschlages auf den Weihnachtsmarkt
waren Dilettanten und Desperados am Werk – aber nicht nur
6 Kein Pearl Harburg
Hamburg: Mohammed Atta hatte ein paar ganz unislamische Freunde
7 Der Mann, der zu viel wusste
Milano: Warum die CIA einen ihrer besten Mitarbeiter kidnappte
8 Aladin und die Wunderbomber
Istanbul: Ein Dreifach-Agent soll die Anschläge in der
Bosporus-Metropole finanziert – und die Attentäter des 11. September
trainiert haben
9 Verraten und verkauft
Ulm: Martyrium und Mysterium des Khalid al Masri lassen viele Fragen offen
10 Terroristen und Agenten
Madrid: Die juristische Aufarbeitung der Anschläge vom 11. März 2004
weist entscheidende Leerstellen auf
11 Im Geheimdienst Ihrer Majestät
London: Der mutmaßliche Drahtzieher der Bombenanschläge vom 7. Juli
2005 hat im Auftrag des MI6 Dschihadkämpfer für das Kosovo rekrutiert
12 Ein Koffer voller Märchen
Köln: Die Spuren führen nach Tripoli – und nach Washington
13 Wenn V-Leute erzählen
Berlin und anderswo: Informanten der Polizei haben immer wieder
Anschläge vorhergesagt – oder mit vorbereitet
14 Das Gerücht eines Gerüchts
Wien: Die Erfindung einer „Al Qaida Österreich” kommt trotz Bemühungen
kaum vom Fleck
15 Im Delirium eines deutschen 9/11
Oberschledorn: Die „Wasserstoffperoxydbomber” taten ihr Möglichstes,
um auf sich aufmerksam zu machen
16 Das Netz der Gladiatoren
In vielen Nato-Staaten haben die USA während des Kalten Krieges einen
unkontrollierbaren Terror-Untergrund geschaffen
17 Big Brother marschiert
Der inszenierte Terror wird genutzt, um eine Geheime Datenpolizei zu
installieren
18 Die Putschisten
Deutschland ist auf dem Weg in eine Notstandsdiktatur
+++++++++++ Neues Deutschland, 18.08.2008 +++++++
Die Verwirrten und die Süd-Ossis
Von Jürgen Elsässer
Nach dem Zurückschlagen der georgischen Aggression gegen Südossetien
lassen manche Medien offenbar Verwirrte von der Leine:
Auf »Spiegel Online« darf sich Bundeswehr-General a. D. Klaus Naumann
gegen Russland austoben: »Die Bombardierungen von Städten und anderen
nicht-militärischen Zielen zeigen noch nicht einmal andeutungsweise
die Präzision der NATO im Kosovo.« Naumann lügt in eigener Sache, denn
während des NATO-Angriffs auf Jugoslawien 1999 war er ranghöchster
westeuropäischer Offizier im Bündnis. Fakt ist: Bei angeblich
irrtümlichen Angriffen von US-Bombern auf einen Flüchtlingstreck in
der Nähe des kosovarischen Ortes Djakovica starben am 15. April 1999
über 70, am 14. Mai beim Ort Korisa über 80 Menschen. Bei den
fünftägigen Operationen der russischen Streitkräfte ab dem 8. August
2008 gibt es keinen Vorfall, der damit vergleichbar wäre.
Im »Tagesspiegel« deliriert Frühstücksdirektor Josef Joffe, ein
bewährter Gefolgsmann Washingtons, von der »Hauptschuld« Moskaus an
der Eskalation. »Um Georgien kirre zu machen, hat es die Süd-Ossis
bewaffnet, ihnen massenweise russische Pässe ausgestellt, um einen
Vorwand zum Einmarsch zu haben.« Und anschließend haben die
»Süd-Ossis« mit diesen Waffen wohl ihre eigene Hauptstadt bombardiert
und ihre Pässe als Brandbeschleuniger zum Anzünden ihrer eigenen
Kirchen verwendet? Instinktsicher bringt Joffe den Antisowjetismus in
zeitgemäße Form: »Den Gulag haben nicht die Kommunisten, sondern die
Zaristen erfunden.« Egal ob Rote oder Weiße, die Russen sind Barbaren,
jedenfalls in den Augen atlantischer Herrenmenschen.
Völlig kirre gemacht hat Moskau Herfried Münkler, den Bauchredner von
Joschka Fischer an der Humboldt-Universität zu Berlin. In der
»tageszeitung« nimmt er das russische Vorgehen in Südossetien zunächst
gegen Brzezynskis Vergleich mit Hitlers Einmarsch im Sudetenland in
Schutz. »Die Frage ist, ob dieser Vergleich zur moralischen
Desavouierung des russischen Vorgehens taugt.«
Doch im nächsten Satz folgt eine Pirouette, die deutlich macht, dass
Münkler weniger Putin und Medwedjew als vielmehr Hitler verteidigen
will: »Es lässt sich schwer bestreiten, dass der deutschen Minderheit
in der Tschechoslowakei nach dem Ersten Weltkrieg das
Selbstbestimmungsrecht vorenthalten wurde.« Die »taz« fragt nach: »Sie
meinen, Hitlers Vorgehen 1938 entbehrt nicht einer juristischen
Grundlage?« Darauf der Herr Professor: »Zumindest nicht einer
moralischen Grundlage, wenn man das Selbstbestimmungsrecht der Völker
betrachtet.«
Statt mit dem Sudetenland sollte Münkler Südossetien besser mit Kosovo
vergleichen, für dessen Bomben-Befreiung durch Generäle wie Naumann er
1999 tüchtig Reklame machte. Die eine Region gehört de jure zu
Georgien wie die andere zu Serbien, aber in beiden Fällen wird die
De-facto-Eigenstaatlichkeit der Abtrünnigen seit vielen Jahren durch
völkerrechtlich mandatierte Truppen gesichert. Man stelle sich einen
Augenblick vor, was geschehen wäre, wenn Serbien seinen Rechtsanspruch
auf Kosovo so artikuliert hätte wie Georgien auf Südossetien. Wie
selbstverständlich hätte die NATO zurückgeschlagen, und Belgrad wäre
bestimmt nicht so geschont worden wie Tbilissi.
Im Vergleich zu den Verwirrten verhalten sich die deutschen
Kapitalisten ziemlich vernünftig. In ihrem Hausorgan »Handelsblatt«
analysieren sie kühl: »Die USA, die sich zuvor zur Schutzmacht
Georgiens allgemein und der demokratisch nur noch schwach
legitimierten Regierung Saakaschwilis gemacht hatten, haben diesen
Krieg eindeutig verloren.« Kritisiert wird, dass Washington
Saakaschwili »zum Harakiri-Angriff auf Südossetien verleitet« habe.
»Denkbar« ist für das Blatt nun die »Aufnahme in die russische
Föderation«.

















